Akkordeonbauer – eine Berufung …
Grosse Begabung für Handwerkliches, Fachkenntnisse in Holz-, Metall- und Oberflächenbearbeitung sowie breite Erfahrung im Werkzeugbau und in der Konstruktion. Dazu gesellen sich ein unermüdlicher Trieb zu erforschen, zu entwickeln und zu perfektionieren sowie der Wille, Präzisionsarbeit zu leisten. Versehen wird das alles mit einer bewundernswerten Portion Idealismus. Wenn bei dieser Vielseitigkeit und Freude an der Arbeit auch noch das Musikgehör als Begabung in die Wiege gelegt wurde, so sind die Voraussetzungen erfüllt.
Biographisches
Theodor von Weissenfluh ‑ heute einziger Akkordeonbauer der Schweiz
wurde am 23. November 1947 auf der Weissenfluh, einem kleinen Hochplateau oberhalb von Meiringen geboren. Schon früh interessierte er sich für die Volksmusik. Während der Sommerferien konnte er auf der Arni-Alp ein wenig Geld verdienen und erstand sein erstes Akkordeon. Dass er einmal selbst ein Instrument bauen würde, daran hätte er wohl nie gedacht.
Seine Lehrzeit absolvierte Theodor von Weissenfluh genannt THEDI in der Escher Wyss als Apparateschlosser. Die Auftragslage im ehemaligen Sulzer-Konzern war starken Schwankungen unterworfen und Thedi suchte eine neue Herausforderung. Er eröffnete eine Werkstatt im Aargau und reparierte Fahrzeuge aller Marken; das Flair für Technisches lag ihm im Blut und die Autobranche faszinierte ihn.
Eines Tages beschlossen Thedi und seine Ehefrau Erna, dem Nebel im Aargau Lebewohl zu sagen; sie zogen um ins Bündnerland. Auch hier engagierte sich Thedi nochmals in der Autobranche: Fast sieben Jahre lang leitete er die Spenglerei einer Autogarage in Churwalden; danach spezialisierte er sich in Untervaz bei der Auto Fausch AG auf die Restauration von Fahrzeugen besonderer Kategorien. 1991 stellte die Firma aus wirtschaftlichen Gründen den Betrieb ein und Thedi musste sich beruflich neu orientieren.
Seit der Lehrzeit bezeichnete Thedi seine beruflichen Tätigkeiten auch als Hobby, engagierte sich für Neuentwicklungen und erbrachte äusserst exakte, überdurchschnittliche Leistungen für seine Arbeitgeber.
Während all dieser Jahre widmete er sich mit gleichem Eifer in der Freizeit seinem zweiten Hobby ‑ dem Akkordeonspiel. Sein grosses Interesse für Technisches führte dann dazu, dass er eines Tages ein Instrument auseinander nahm; die zahlreichen Details und Schlüsselstellen eines Akkordeons faszinierten ihn. Da es in der Schweiz nur wenige Akkordeon-Restaurateure gab, sah Thedi eine neue berufliche Chance im Reparieren und Restaurieren von Instrumenten. So legte er 1992 den Grundstein für den heutigen Betrieb.
Die kleine Reparaturwerkstatt in Untervaz
Aufgrund der perfekten Arbeitsweise und einer fairen Preispolitik machte sich Thedi bald einmal einen Namen in der Volksmusik-Szene und er konnte bekannte Musikanten zu seinen Kunden zählen.
Beim Reparieren analysierte er die Bauweise unzähliger Instrumente und beschloss für sein eigenes Instrument eine neue Tastatur zu entwickeln. Das Resultat war bemerkenswert: ein namhafter Musiker, der das Instrument spielte, wollte es nicht mehr zurückgeben. Dieser Zeitpunkt kann als Geburtsstunde der heutigen Schweizer THEDI-Akkordeons bezeichnet werden: Thedi baute für den besagten Musiker ein weiteres Instrument mit sogenannten Halbfabrikaten italienischer Herkunft und der selbst entwickelten Tastatur: die Thedi Classic – ein Akkordeon mit Kassotto und einem warmen Toncharakter; besonders beliebt wurde dieses Instrument bei Musikanten, die auch klassiche Musik zum Repertoire zählten. Für die Freunde der Ländlermusik entwickelte er 1994 die THEDI Ländlerperle.
Der Wunsch nach Instrumenten unterschiedlicher Grössen, anderer Klangrichtungen motivierte Thedi sich intensiver mit dem Bau neuer Instrumente zu befassen und die ursprünglich aus Italien importierten Halbfabrikate selbst herzustellen. Bereits 1996 verwirklichte Thedi mit der THEDI Bingo ein weiteres Ziel: auch das Gehäuse und die ersten Stimmstöcke dieses Instrumentes wurden in Thedis Werkstatt gefertigt. Das Akkordeon mit Kassotto, in zwei verschiedenen Grössen erhältlich, zeichnete sich aus durch die äusserst präzise Spielbarkeit.
Allerdings gebot ihm das Schicksal Einhalt ‑ Thedis Ehefrau Erna erkrankte schwer und wurde pflegebedürftig. Während zwei Jahren widmete sich Thedi vorwiegend seiner Frau und musste sich vor allem auf Reparaturarbeiten beschränken, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Im September 1997 verstarb seine Frau und er stand einmal mehr vor der Entscheidung, wie es weitergehen sollte. Zur gleichen Zeit nämlich erhielt Thedi eine weitere schwerwiegende Nachricht: Das alte Gebäude, in dem er zu sehr günstigen Bedingungen wohnte und seine kleine Werkstatt führte, sollte abgerissen werden. Seine Kunden und Freunde ermutigten ihn letztlich, nicht aufzugeben sondern sich vollends auf die Weiterentwicklung seiner Instrumente zu konzentrieren.
Im Februar 1998 stellte Thedi ein prachtvolles Akkordeon – die THEDI Cristall Classic in einem kleinen Kreis namhafter Musikanten vor; ein eindrucksvoller Film dokumentiert die Herstellung dieses Instrumentes für höchste Ansprüche aller Musikrichtungen.
Eine neue Ära beginnt in Bad Ragaz
Am 1. April 1998 eröffnete Thedi in Bad Ragaz seine neue Werkstatt. Mehr als 300 Kunden konnten am Tag der offnen Tür begrüsst werden. Dieses Zeichen der Anerkennung motivierte Thedi, zielstrebig die Entwicklung des Schweizer THEDI-Akkordeons auszubauen. In den hellen grosszügigen Räumlichkeiten konnte er endlich einige Maschinen kaufen, um die Arbeitsabläufe zu erleichtern bzw. zu rationalisieren Nach dem Kauf einer ersten CNC-Maschine eröffneten sich weitere Möglichkeiten, um zahlreiche Einzelteile selbst zu fertigen. Dadurch wurde die Fabrikation unabhängiger von italienischen Zulieferanten; vor allem aber fallen seither viele Arbeitsstunden weg, die notwendig waren, um die Unzulänglichkeiten bezüglich Präzision der italienischen Produkte auszugleichen.
Das Schweizer THEDI-Akkordeon in Konkurrenz
zu italienischen Instrumenten hatte anfangs sehr viel Skeptiker. Seitdem Franz Hoefleur Ende der 50er Jahre die Fabrikation aus wirtschaftlichen Gründen einstellen musste, wurde dieses Instrument in der Schweiz nicht mehr hergestellt. Der Name Record ist noch heute geschützt, die Instrumente allerdings werden in Italien hergestellt. Die einst von Hoefleur entwickelte Original Schweizer Record mit dem besonderen Klangcharakter ist nur noch in Liebhaber-Kreisen als Occasion erhältlich.
Auch die Firma Eichhorn in Schwyz stellte einige Jahre später die Produktion der chromatischen Eichhorn Akkordeons mit dem unverkennbar typischen Klangchrakter ein; auch diese Instrumente sind noch heute sehr beliebt und werden zu entsprechenden Liebhaber-Preisen – wie auch die Schweizer Record – gehandelt.
Tradition – ein Schweizer Kulturgut kehrt zurück
Unermüdlich trieb Thedi die Entwicklung seiner Instrumente voran. Er war überzeugt, eines Tages ein Instrument präsentieren zu können, das von den genannten "Ur-Instrumenten" klanglich kaum zu unterscheiden sein wird und das dank modernster Präzisionsarbeit zum Unikat wird.
Am 14. November 1999 nach drei Monaten intensiver Arbeit war es soweit: Mit der THEDI Tradition lebt ein Stück Schweizer Volksgut wieder auf. Die Instrumenten-Taufe zog mehr als 100 Kunden in den Lurgass-Torkel in Maienfeld und das Echo der Musikanten war bemerkenswert. Seither hat THEDI mehr als 30 Instrumente – vor allem auch an junge, namhafte Nachwuchs-Volksmusikanten – übergeben.
Jedes Instrument ist ein Unikat; der Musikant bestimmt das Besondere für sein Instrument: Farbe, C- oder B-Griff, Tastendruck, Tastenhöhe oder die Stimmung für eine andere Stilrichtung.
Schweizer Handwerkskunst entsteht in Maienfeld
Im Laufe der Zeit wurden die Räumlichkeiten in Bad Ragaz zu klein. Ein glücklicher Zufall führte Thedi im Jahre 2001 zur "alten Schumacher-Werkstatt"
in der Maienfelder Industrie. Zu einem tragbaren Zins vermietet die damalige Besitzerin einen Gebäudeteil, in dem Thedi seither seine Produktion kontinuierlich ausbauen konnte.
Mehr als 150 Instrumente hat Thedi seit 1993 gebaut, Instrumente bei denen der Erbauer jedes Einzelteil kennt und für höchste Präzision bürgt, Akkordeons aus einer Schweizer Handwerkstatt.
Auch in der Entwicklung der neuen Instrumente konnte Thedi nochmals einen Erfolg verzeichnen:
Mit der THEDI Tradition und der THEDI Perli kehrt der unvergleichliche Klang der original Schweizer Record zurück, mit dem Hoefleur einst den Charakter der Schweizer Volksmusik prägte. Inzwischen hat Thedi von Weissenfluh mehr als 50 Instrumente dieser Art hergestellt.
|