Thedi von Weissenfluh

Akkordeonbauer - eine Berufung

Kulturpreis Kanton Graubünden 2007


Grosse Begabung für Handwerkliches, Fachkenntnisse in Holz-, Metall- und Oberflächenbearbeitung sowie breite Erfahrung im Werkzeugbau und in der Konstruktion. Dazu gesellen sich ein unermüdlicher Trieb zu erforschen, zu entwickeln und zu perfektionieren sowie der Wille, Präzisionsarbeit zu leisten. Versehen wird das alles mit einer bewundernswerten Portion Idealismus. Wenn bei dieser Vielseitigkeit und Freude an der Arbeit auch noch das Musikgehör als Begabung in die Wiege gelegt wurde, so sind die Voraussetzungen erfüllt.

Biografie

Theodor von Weissenfluh ‑ heute einziger Akkordeonbauer der Schweiz

wurde am 23. November 1947 auf der Weissenfluh, einem kleinen Hochplateau oberhalb von Meiringen geboren. Schon früh interessierte er sich für die Volksmusik. Während der Sommerferien konnte er auf der Arni-Alp ein wenig Geld verdienen und erstand sein erstes Akkordeon. Dass er einmal selbst ein Instrument bauen würde, daran hätte er wohl nie gedacht.

.

Seine Lehrzeit absolvierte Theodor von Weissenfluh, genannt THEDI, in der Escher Wyss als Apparateschlosser. Die Auftragslage im ehemaligen Sulzer-Konzern war starken Schwankungen unterworfen  und Thedi suchte eine neue Herausforderung. Er eröffnete eine Werkstatt im Aargau und reparierte Fahrzeuge aller Marken; das Flair für Technisches lag ihm im Blut und die Autobranche faszinierte ihn.

 

Eines Tages beschlossen Thedi und seine Ehefrau Erna, dem Nebel im Aargau Lebewohl zu sagen; sie zogen um ins Bündnerland. Auch hier engagierte sich Thedi nochmals in der Autobranche. Fast sieben Jahre lang leitete er die Spenglerei einer Autogarage in Churwalden. Danach spezialisierte er sich in Untervaz bei der Auto Fausch AG auf die Restauration von Fahrzeugen besonderer Kategorien. 1991 stellte die Firma aus wirtschaftlichen Gründen den Betrieb ein und Thedi musste sich beruflich neu orientieren.

 

Seit der Lehrzeit bezeichnete Thedi seine beruflichen Tätigkeiten auch als Hobby, engagierte sich für Neuentwicklungen und erbrachte äusserst exakte, überdurchschnittliche Leistungen für seine Arbeitgeber.

 

Während all dieser Jahre widmete er sich mit gleichem Eifer in der Freizeit seinem zweiten Hobby ‑ dem Akkordeonspiel. Sein grosses Interesse für Technisches führte dann dazu, dass er eines Tages ein Instrument auseinander nahm, denn die zahlreichen Details und Schlüsselstellen eines Akkordeons faszinierten ihn. Da es in der Schweiz nur wenige Akkordeon-Restaurateure gab, sah Thedi eine neue berufliche Chance im Reparieren und Restaurieren von Instrumenten.

 

So legte er 1992 den Grundstein für den heutigen Betrieb.

Die kleine Reparaturwerkstatt in Untervaz


Aufgrund der perfekten Arbeitsweise und einer fairen Preispolitik machte sich Thedi bald einmal einen Namen in der Volksmusik-Szene und er konnte bekannte Musikanten zu seinen Kunden zählen.

 

Beim Reparieren analysierte er die Bauweise unzähliger Instrumente und beschloss für sein eigenes Instrument eine neue Tastatur zu entwickeln. Das Resultat war bemerkenswert, so dass ein namhafter Musiker, der das Instrument spielte, es nicht mehr zurückgeben wollte. Dieser Zeitpunkt kann als

 

Geburtsstunde der heutigen Schweizer THEDI-Akkordeons bezeichnet werden. Thedi baute für den besagten Musiker ein weiteres Instrument mit sogenannten Halbfabrikaten italienischer Herkunft und der selbst entwickelten Tastatur: die THEDI Classic – ein Akkordeon mit Kassotto und einem warmen Toncharakter. Besonders beliebt wurde dieses Instrument bei Musikanten, die auch klassiche Musik zum Repertoire zählten. Für die Freunde der Ländlermusik entwickelte er 1994 die THEDI Ländlerperle.

 

Der Wunsch nach Instrumenten unterschiedlicher Grössen, anderer Klangrichtungen motivierte Thedi sich intensiver mit dem Bau neuer Instrumente zu befassen und die ursprünglich aus Italien importierten Halbfabrikate selbst herzustellen. Bereits 1996 verwirklichte Thedi mit der THEDI Bingo ein weiteres Ziel: auch das Gehäuse und die ersten Stimmstöcke dieses Instrumentes wurden in Thedis Werkstatt gefertigt. Das Akkordeon mit Kassotto, in zwei verschiedenen Grössen erhältlich, zeichnete sich aus durch eine äusserst präzise Spielbarkeit.

 

Allerdings gebot ihm das Schicksal Einhalt ‑ Thedis Ehefrau Erna erkrankte schwer und wurde pflegebedürftig. Während zwei Jahren widmete sich Thedi vorwiegend seiner Frau und musste sich vor allem auf Reparaturarbeiten beschränken, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Im September 1997 verstarb seine Frau und er stand einmal mehr vor der Entscheidung, wie es weitergehen sollte. Zur gleichen Zeit nämlich erhielt Thedi eine weitere schwerwiegende Nachricht: Das alte Gebäude, in dem er zu sehr günstigen Bedingungen wohnte und seine kleine Werkstatt führte, sollte abgerissen werden. Seine Kunden und Freunde ermutigten ihn letztlich, nicht aufzugeben sondern sich vollends auf die Weiterentwicklung seiner Instrumente zu konzentrieren. Eine erste Werkstatt konnte in Bad Ragaz bezogen werden.

 

Die heutigen Betriebsräumlichkeiten entdeckte Thedi durch Zufall beim Autowaschen im Maienfelder Industriegebiet, ein ideales Gebäude, das zu vermieten war. Seit nunmehr 17 Jahren entstehen hier die verschiedenen THEDI Modelle in präziser Handarbeit - Schweizer Qualitätsinstrumente.

.